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Dr. Gerd Scholl

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  • Dr. Gerd Scholl

Gemeinsam für mehr Klimaschutz

Nicht erst seit Greta Thunberg und Fridays for Future steht die nationale Klimapolitik unter einem großen Handlungsdruck. Wie agiert man da als wichtiger politischer Akteur? Wie kann man die eigenen Kräfte so bündeln, dass eine möglichst große Wirkung erzielt wird? Und was heißt das bezüglich der internen Zusammenarbeit? Diese Fragen standen im Zentrum einer zweitägigen Teamklausur der Abteilung „Klimaschutz“ eines großes Umweltverbandes, die ich gestaltet und moderiert habe.


Im ersten Schritt ging es um die Vision. Die Aufgabe war „Wir gründen eine Klimaschutz-NGO im Jahre 2025“. Sie war bewusst als Besinnung auf die eigenen Wurzeln als Nichtregierungsorganisation formuliert – gewissermaßen wie ein „zurück in die Zukunft“. Bearbeitet wurde sie in Kleingruppen als Collage. Diese Übung brachte wesentliche Eckpunkte für die zukünftige Ausrichtung der Arbeit der Abteilung hervor: hohe Wirksamkeit durch fokussiertes Themenspektrum und schlanke Strukturen, strategisch agierend und mit systemischem Blick.


Im zweiten Schritt wurde die Vision auf den Kopf gestellt: „Was müssen wir tun, um die Gründung in den Sand zu setzen?“ Mit dieser Technik gelangte die Gruppe zu den Erfolgsfaktoren ihrer Zusammenarbeit beziehungsweise zu den Merkmalen des Miteinanders, die ihr besonders wichtig sind. Dies waren Ausprobieren, Mut und Risikobereitschaft, Innehalten und Pausen machen (auch zur Reflektion) sowie Fokussierung und Priorisierung. Bei Letzterem ging es unter anderem um die ganz praktische und bei Menschen mit hoher intrinsischer Motivation absolut nicht triviale Frage, was nicht bearbeitet werden kann.


Die Verständigung im Team zur Jahresarbeitsplanung machte dies sehr deutlich. Als in der ersten Runde die Themenverantwortlichen innerhalb der Abteilung nacheinander ihre Jahresthemen an eine Pinnwand brachten, entstand eine nicht mehr überschaubare Menge von Aufgaben und Themenfeldern. Erst die Verknüpfung der Themenfelder mit den jeweils verfügbaren Ressourcen (Anzahl Personen und Vollzeitäquivalente), die Visualisierung mit Hilfe eines Tortendiagramms (prozentuale Verteilung der Aufgaben auf die verfügbaren Ressourcen) sowie nicht zuletzt die kollegiale Diskussion in der Gruppe ermöglichten das Identifizieren von prioritären und weniger prioritären Aufgaben. Und somit gleichsam das Loslassen von Aufgaben und Themen mit hohem Überlastungspotenzial. Fast beiläufig kam es dabei zu wichtigen Einsichten, beispielsweise, dass es nicht nur anders, sondern auch besser klingt, wenn man Themen „parkt“ und nicht „streicht“. Oder dass Fragen wie „Was entfällt, wenn etwas hinzukommt?“ und „Was passiert, wenn nichts passiert?“ einen Perspektivwechsel erlauben, der die Handlungsfähigkeit erhöht.


Die zweitägige Teamklausur war intensiv und produktiv. Sie machte deutlich, dass gute Zusammenarbeit ein Arbeiten an sich selbst und ein Arbeiten an der Gruppe braucht. Ohne Energie und ein Gefühl für die eigenen Ressourcen funktioniert das nicht. Ich schloss die Klausur daher mit einer Wertschätzungskette. Dabei standen sich die Teammitglieder paarweise gegenüber und erzählten 30 Sekunden lang, was sie an dem anderen schätzen. Diese Übung stattete die Gruppe mit einer ungeheuren Kraft aus – die sie gut brauchen kann, wenn sie gemeinsam und wirksam für mehr Klimaschutz eintreten möchte.


Und ich? Ich war sehr beeindruckt von der Offenheit und Kollegialität, die in der Gruppe herrschte. Ihr Humor war ansteckend. Und ich habe gelernt, dass es im Prozess der Moderation auch darauf ankommt die Momente zu erkennen, in denen es keine Moderation braucht, weil die Gruppe sich selbst steuern kann.