• Dr. Gerd Scholl

Glaubwürdig über Nachhaltigkeit berichten

Ist das nicht alles Greenwashing? Diese Frage liegt nahe, wenn es um die freiwillige Berichterstattung von Unternehmen zu ihren Nachhaltigkeitsleistungen geht. Doch wie das „Ranking der Nachhaltigkeitsberichte“ in seinem mittlerweile zehnten Durchgang zeigt, gibt es immer mehr Unternehmen mit glaubwürdigem Nachhaltigkeits-Reporting.


Das Ranking der Nachhaltigkeitsberichte, das vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und von der Unternehmervereinigung future regelmäßig durchgeführt wird, habe ich selbst als Projektleiter im neunten Durchgang begleitet. Im zehnten Ranking, dessen Ergebnisse vor einigen Wochen veröffentlicht worden sind, setzt sich der Trend zur Verbreitung und Professionalisierung der unternehmerischen Nachhaltigkeitsberichterstattung fort. Bewertet wurden 69 CSR-Berichte von Großunternehmen und 40 Berichte von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).


Bei den Großen kommen die besten Berichte von Rewe, BMW und der Deutschen Telekom. Insgesamt berichten die Großunternehmen im Vergleich zum vorherigen Durchgang gleichbleibend gut, es bleibt aber noch viel Luft nach oben: Während der Bestplatzierte immerhin 512 von 700 möglichen Punkten erreicht, erreichen die Großen im Durchschnitt nur 314 Punkte. Besser werden können die Berichte bei Themen wie Stakeholder-Einbindung, Nachvollziehbarkeit, Vergleichbarkeit und Selbstkritik.


Bei den KMU überzeugen die Berichte von Vaude, Lebensbaum und Memo am meisten. Auch hier ist mit einer Durchschnittsbewertung von 446 von 700 Punkten noch etwas Luft nach oben. Gleichwohl liegen die KMU-Sieger mit 671, 660 und 633 Punkten schon ziemlich nahe an der idealen Vorstellung eines Nachhaltigkeitsberichtes.


Wonach bemisst sich diese Idealvorstellung? Der Berichtsbewertung liegen Kriterien zugrunde. Sie umfassen einerseits materielle Anforderungen an die Berichterstattung. Dazu gehört die Darstellung beispielsweise zu den Interessen der Mitarbeiter, zu ökologischen Aspekten der Produktion, zur Produktverantwortung oder zur Verantwortung in der Lieferkette. Andererseits werden Anforderungen an die allgemeine Berichtsqualität angelegt, wie etwa die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung, also ob etwa Zielkonflikte, Umsetzungsprobleme oder kritische öffentliche Debatten offen angesprochen werden.

Interessant am Ranking 2018 sind die Implikationen aus der 2017 in Kraft getretenen CSR-Berichtspflicht für große Unternehmen. Denn es zeigt sich, dass die berichtspflichtigen Unternehmen überdurchschnittliche gute Berichtsqualitäten abliefern. Das liegt vor allem an ihrem konsequenten Fokus auf wesentliche Themen sowie an der gelungenen Berichterstattung zu Managementsystemen und Compliance. Die gesetzliche Transparenzpflicht zu Umwelt-, Sozial und Arbeitnehmerbelangen, von der allerdings nur rund 500 Unternehmen in Deutschland betroffen sind, scheint demnach erste positive Wirkungen zu entfalten.


Spannend finde ich, wie unterschiedlich die Formate der Nachhaltigkeitsberichterstattung ausfallen. Von Berichten, die die finanzielle mit der nichtfinanziellen Berichterstattung integrieren (z.B. Adidas, BASF, EnBW), über klassische Print-/PDF- beziehungsweise moderne Online-Berichte bis hin zu Plattformkonzepten, die zum Beispiel eine Bilanz nach den Standards der Global Reporting Initiative (GRI) mit einem Nachhaltigkeitsmagazin und einer nichtfinanziellen Erklärung kombinieren (z.B. Commerzbank). Diese Vielfalt spiegelt unterschiedliche Transparenzerfordernisse und Kommunikationsherausforderungen wider. Das passende Reporting-Konzept sollte daher für jedes Unternehmen maßgeschneidert sein.


Literatur


Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, future e.V. – verantwortung unternehmen (Hrsg.) (2019): „CSR-REPORTING IN DEUTSCHLAND 2018. Ergebnisse, Trends, Branchenauswertungen und eine Analyse der Berichterstattung über die SDGs im Ranking der Nachhaltigkeitsberichte“, Berlin (https://www.ranking-nachhaltigkeitsberichte.de/data/ranking/user_upload/2018/Ranking_Nachhaltigkeitsberichte_2018_Ergebnisbericht_lang.pdf; 21.01.2020)

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