• Dr. Gerd Scholl

Reden über Kreislaufwirtschaft

Aktualisiert: 12. Juli

Es passiert gerade viel in Sachen Kreislaufwirtschaft. Die Europäische Union hat bereits den zweiten „Circular Economy Action Plan“ veröffentlicht. Die Ampel-Koalition hat sich in ihrem Koalitionsvertrag auf die Förderung der Kreislaufwirtschaft als „effektiven Klima- und Ressourcenschutz, Chance für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Arbeitsplätze“ verpflichtet. Und die „Circular Economy Initiative Deutschland“, ein Zusammenschluss verschiedener Akteure aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, hat in ihrer im vergangenen Jahr veröffentlichten „Circular Economy Roadmap Deutschland“ skizziert, wie der Übergang zu einem Wirtschaften in Kreisläufen gestaltet werden kann. Es mangelt also weder an Commitment, noch an Konzepten und Ideen. Es gibt auch etliche gute Beispiele für zirkuläres Wirtschaften. So setzt Miele beispielsweise Kunststoffrezyklate bei der Herstellung von Trocknern ein. Und das Berliner Startup Grover vermietet Unterhaltungselektronik statt sie zu verkaufen und trägt damit zu einer Verlängerung der Nutzungsdauer der Geräte bei.


Dennoch bleibt es ein weiter Weg bis zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft. Das belegt nicht nur die „Circularity Gap Reporting Initiative“, nach der beispielsweise Norwegen nur zu 2,4 Prozent und die Niederlande immerhin zu 24,5 Prozent zirkulär wirtschaften. Für mich ist es auch das Fazit aus den Gesprächsrunden, die ich auf der IFAT 2022, der Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft, auf dem Messestand des Umweltdienstleisters PreZero moderiert habe.


Wir haben dort über modernes Kunststoffrecycling gesprochen und über die Herausforderungen einer sauberen Mülltrennung, die wiederum Voraussetzung für ein hochwertiges Wertstoffrecycling ist. Wir haben Visionen einer zirkulären Wirtschaft im Jahr 2030 geteilt und diskutiert, was es braucht, damit die Visionen Wirklichkeit werden – unter anderem einen ambitionierten gesetzlichen Rahmen sowie mutige unternehmerische Entscheidungen. Wir haben die Innovationskraft von Startups der Kreislaufwirtschaft erlebt, aber auch die Hürden kennengelernt, die ihrer Entwicklung im Wege stehen – beispielsweise ein zu bürokratisches öffentliches Förderwesen.


Gleichzeitig wurde deutlich, dass es zur Unterstützung der Transformation in Richtung Kreislaufwirtschaft noch mehr Dialog zwischen den unterschiedlichen Akteuren braucht. Denn zirkuläres Wirtschaften fängt beim Abfallrecycling an, hört dort aber noch lange nicht auf. Schon das Design von Produkten (und deren Verpackung) muss so ausgelegt sein, dass natürliche Ressourcen möglichst geschont und Abfälle möglichst vermieden werden. Geschäftsmodelle müssen so konzipiert sein, dass Güter möglichst lange genutzt werden. Das Reden über die Kreislaufwirtschaft, über ihre Chancen und Risiken, über ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen ebenso wie über die zusätzlichen Kosten auf Seiten der Unternehmen und der Verbraucher*innen ist damit nicht nur gefällige Begleitmusik. Das Reden über die Kreislaufwirtschaft ist geradezu Voraussetzung für ihre erfolgreiche Umsetzung.