• Dr. Gerd Scholl

Zirkuläres Wirtschaften: Ja, aber …

Eine repräsentative Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt: Es gibt einen Trend hin zu zirkulären Wertschöpfungsstrategien in der deutschen Wirtschaft. Das Zielbild einer zirkulären Wertschöpfung wird breit geteilt. Es wird mit Chancen für neue Geschäftsmodelle wie etwa Teilen, Mieten und Leasen verbunden. Allerdings ist man mit Blick auf hochwertige Strategien des Remanufacturing und Refurbishing etwas skeptischer als mit Blick auf Recyclingstrategien – nicht zuletzt, weil Erstere als technologisch deutlich anspruchsvoller betrachtet werden. Überraschend ist, dass die Befragten unsicher sind, welchen Anstoß es von außen braucht, um in die zirkuläre Transformation zu kommen – ob höhere Rohstoffpreise, rohstoffschonende Prozessinnovationen oder eine höhere Nachfrage nach ressourcenleichten Produkten. Für die Erhebung wurden im Sommer 2022 online 2.500 Erwerbstätige in Industrie, Produktion und Verarbeitung in Deutschland befragt.


Die Befunde machen m.E. deutlich, dass es noch eine Zeit dauern wird, bis die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in der Praxis breit umgesetzt sind. Wichtig ist unter anderem ein Umdenken in den Betrieben, die bei langlebigen Gebrauchsgütern Wert-Schöpfung neu definieren müssen. Entwickler*innen müssen geschult werden, so dass sie neben der Fertigungseffizienz auch die Recyclingfähigkeit der Produkte berücksichtigen können. Schließlich sind smarte Innovationen bei Produktinformationen und Rückführungslogistik nötig, wie etwa der „digitale Produktpass“. Ein weiterer wichtiger Impuls kann von der im Koalitionsvertrag verankerten Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie ausgehen. Sie liegt allerdings noch nicht vor. Erst im Frühjahr 2023 soll dazu ein breiter Dialogprozess starten. Man darf gespannt sein, welche Ergebnisse dieser hervorbringt – und wann.



Bertelsmann-Stiftung, 09.11.2022: Zirkuläre Wertschöpfung – Große Zustimmung für ein klimaneutrales und ressourcenschonendes Wirtschaftsmodell